Waldbaden & Forschung: Die Wissenschaft hinter Green Care

Jukka Jokela • 31. Oktober 2025

Waldbaden & Forschung: Die Wissenschaft hinter Green Care

„Gesundheit und die Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt.“
Mein Heimatland Finnland ist das waldreichste Land Europas – über 74 % der Fläche sind mit Wald bedeckt. Diese Nähe zur Natur hat schon in meiner Kindheit meinen Alltag geprägt: Der schnellste Weg zur Schule führte auf Skiern über eine weite, offene Wiese und dann direkt durch den Wald. Und der beerentragende Nachbarschaftswald vor unserer Haustür war ein viel kürzerer Weg zu einem vitaminreichen Frühstück als die Fahrt zum nächsten Supermarkt.

Diese Nähe zur Natur hat auch mein Denken geprägt. In Finnland ist die Verbundenheit mit der Natur so selbstverständlich, dass ich sie erst wirklich verstanden habe, als ich nicht mehr dort lebte. Jetzt, nach fünfzehn Jahren in Mitteleuropa, spüre ich umso deutlicher, wie sehr meine Wurzeln im Wald meine Identität geprägt haben – und bis heute prägen. Für mich ist der Wald kein Rückzugsort, sondern ein Raum, der mich formt – ein Resonanzraum, in dem Körper und Geist wieder in Einklang kommen. Eine finnische Redewendung beschreibt es treffend: „Im Wald findest du dich selbst.“

Heute habe ich auch hier in Deutschland meinen Zugang zum Wald wieder neu aufgebaut – und ich freue mich jedes Mal, Menschen dorthin zu begleiten und mit ihnen über ihre Beziehung zur Natur zu reflektieren. In den Gesprächen mit meinen Kund:innen erkenne ich oft ähnliche Muster wie bei mir selbst: Die starke Naturverbundenheit aus der Kindheit tritt im Laufe des Lebens häufig in den Hintergrund – durch den Umzug in die Stadt, den Arbeitsalltag in Innenräumen oder eine zunehmend digitale Welt. Für viele wird der Kontakt zur Natur zu einem seltenen Erlebnis, das meist erst beim Sonntagsspaziergang oder im Urlaub wieder Raum bekommt. Dabei verlieren wir leicht den Kontakt zu einer der wichtigsten Ressourcen für Gesundheit und innere Balance – der Natur.

In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, wie wohltuend und transformierend die Begegnung mit der Natur sein kann – für mentale Erholung, Klarheit und persönliche Entwicklung. Diese Erfahrungen decken sich mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen: Finnland gehört zu den Ländern Europas, die am intensivsten erforschen, wie regelmäßiger Naturkontakt – etwa durch Waldbaden oder Green Care – psychische, soziale und körperliche Gesundheit stärkt. Studien zeigen, dass Naturerlebnisse Stress reduzieren, die Konzentration verbessern, emotionale Stabilität fördern und ein tiefes Gefühl von Zugehörigkeit schaffen können. Auch in Deutschland rückt dieses Thema zunehmend in den Fokus – gerade dort, wo der Zugang zur Natur keine Selbstverständlichkeit ist, sondern mit Aufwand oder Hürden verbunden bleibt.

Wissenschaftlich belegt: Wie Natur auf Körper und Geist wirkt

Wissenschaftlich belegt: Wie Natur auf Körper und Geist wirkt

Wer einmal bewusst im Wald war, spürt es sofort – die Natur verändert etwas in uns. Inzwischen kann auch die Wissenschaft zumindest schon teils erklären, warum. Forschungen aus Japan, den USA und Finnland zeigen, dass schon kurze Aufenthalte im Wald – etwa beim sogenannten Shinrin Yoku (Waldbaden) – Stresshormone wie Cortisol senken, Blutdruck und Herzfrequenz regulieren und das Immunsystem aktivieren (Tsenetsugu et al. 2007; Morita et al. 2007; Park et al. 2007). Bereits der Umweltpsychologe Roger Ulrich konnte 1991 nachweisen, dass allein der Blick ins Grüne Heilungsprozesse beschleunigt und die Stimmung verbessert.

Auch Rachel und Stephen Kaplan (1995) haben gezeigt, dass natürliche Umgebungen mentale Erschöpfung verringern und unsere Aufmerksamkeit regenerieren – eine Fähigkeit, die im modernen Arbeitsleben immer wichtiger wird. Finnische Psychologin Kirsi Salonen (2016) geht noch einen Schritt weiter: Sie untersucht in ihrer Forschung, wie Naturerfahrungen das Selbstverständnis und die Identitätsentwicklung von Menschen prägen. Ihre Ergebnisse zeigen, dass Naturkontakt nicht nur entspannt, sondern ein tiefes Gefühl von Zugehörigkeit und Sinn fördert – eine Ressource, die besonders in Zeiten von Beschleunigung und digitaler Überforderung kostbar ist.

Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse machen deutlich: Natur ist weit mehr als ein Ort für Erholung – sie ist ein aktiver Gesundheitsfaktor, eine Quelle für mentale Stärke und Kreativität. Bei Waldfulness Coaching und Training übertragen wir in Köln diese Forschung in die Praxis: durch naturbasierte Coachings, Waldbaden-Trainings und Green Care -Programme, die mentale Stärke, Achtsamkeit und Resilienz im Alltag fördern.

Warum Natur auch für Unternehmen relevant ist?

Der von Waldfulness verwendete Green-Care-Ansatz ermöglicht die gezielte Nutzung der Natur für Gesundheit, Resilienz und Teamzusammenhalt und bietet damit neue Lösungsansätze für eine effektive Zusammenarbeit und für belastbare Teams. Während Green Care in Finnland, Japan und Skandinavien schon längst Teil öffentlicher Gesundheitsstrategien ist, gewinnt er erst langsam in Deutschland zunehmend Bedeutung, etwa in Personalentwicklung, in Präventionsprogrammen und auch im betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Der Unterschied zu einem einfachen Spaziergang im Grünen liegt in der gezielten Gestaltung der Erfahrung: Sinneseindrücke werden bewusst geschärft, Reflexionsphasen ermöglichen Erkenntnisse und den Transfer in den Arbeitsalltag, und gruppendynamische Elemente stärken Vertrauen, Empathie und Zusammenhalt. Studien der finnischen Forscherin Liisa Tyrväinen et al. (2007) belegen, dass Menschen, die mindestens fünf Stunden pro Monat bewusst in der Natur verbringen, nachhaltig von den gesundheitsfördernden Wirkungen profitieren – Stress wird reduziert, die mentale Erholung verbessert sich, und Konzentration sowie Leistungsfähigkeit steigen messbar.

Für Unternehmen bedeutet das: Wer seine Mitarbeitenden dazu inspiriert, Zeit in der Natur zu verbringen – und diesen Raum bewusst als Quelle für Erholung, Fokus und Gesundheit nutzt –, investiert nachhaltig in Motivation, Kreativität und Teamresilienz. Green Care und naturbasierte Trainings sind dabei keine esoterische Mode, sondern eine wissenschaftlich fundierte, kosteneffiziente und zukunftsorientierte Strategie für Betriebliches Gesundheitsmanagement, Resilienzförderung und moderne Leadership-Entwicklung.

Mit Waldfulness Wirkungen der Forschung erlebbar machen

Bei Waldfulness verbinden wir wissenschaftliche Erkenntnisse mit erlebbarer Praxis. In unseren Workshops, Naturcoachings und Waldbaden-Erlebnissen lernst du, die Wirkung der Natur gezielt zu nutzen – für dich selbst, dein Team oder deine Organisation. Beispiele aus unserer Praxis:

Waldbaden in Köln für Unternehmen

Hej, ich bin Jukka. Als zertifizierter Coach, Trainer & KI-Manager unterstütze ich Unternehmen, Teams und Einzelpersonen dabei, Resilienz zu stärken, Stress und Burnout vorzubeugen und einen gesunden Ausgleich zwischen Digitalisierung und Menschlichkeit zu schaffen.

Mein Hintergrund in Green Care (University of Applied Sciences Lapland) hat mich inspiriert, die Natur als Ressource für mentale Stärke, Kreativität und Sinnorientierung in die Arbeitswelt zu integrieren.

Meine Mission:  Das Wohlbefinden von über einer Million Berufstätigen bis 2040 zu verbessern.

Lasst uns gerne vernetzen, wenn Du Wege suchst, Stessabbau, Achtsamkeit und digitale Balance im Arbeitsalltag zu fördern.


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Wissenschaftliche Literatur

Kaplan, S. (1995) The restorative benefits of nature: Toward an integrative framework. Journal of Environmental Psychology, Vol. 15 (3), 169–182.
Korpela, K. et al. (2014) Analysing the mediators between nature-based outdoor recreation and emotional well-being. J Environ Psychol 37, 1-7.
Lee, J. et al. (2014) Influence of Forest Therapy on Cardiovascular Relaxation in Young Adults.
Morita, E. et al. (2007) Psychological effects of forest environments on healthy adults: Shinrin-yoku (forest-air bathing, walking) as a possible method of stress reduction. Public Health, Vol. 121 (1), 54–63.
Park, B. J. et al. (2007) Physiological effects of shinrin-yoku (taking in the atmosphere of the forest) – using salivary cortisol and cerebral activity as indicators. Journal of physiological anthropology, Vol. 26 (2), 123–128.
Salonen, K., Kirves, K., & Korpela, K. (2016) Kohti kokonaisvaltaisen luontokokemuksen mittaamista. Universität von Tampere.
Tsunetsugu, Y. et al. (2007) Physiological effects of Shinrin-yoku (taking in the atmosphere of the forest) in an old-growth broadleaf forest in Yamagata Prefecture, Japan. Journal of physiological anthropology, Vol. 26 (2), 135–142.
Tyrväinen L. et al. (2007) Luonnon merkitys kaupunkilaisille ja vaikutus psyykkiseen hyvinvointiin. Julkaisussa: Tyrväinen L, Tuulentie S, toim. Luontomatkailu, metsät ja hyvinvointi. Metlan työraportteja 52, 57-77.
Ulrich, R.S. et al. (1991) Stress recovery during exposure to natural and urban environments. Journal of Environmental Psychology, Vol. 11, 201–230.